Christliche Meditation
Karin Johne
Kreuz 

als Erlösung
Einführung in den Gesamtkurs


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Einführung in den Gesamtkurs

Überblick:
Zur Hinführung.
Das Anliegen.
Der geistliche Weg.
Die Motivation.
Der gegenseitige Austausch.
Der Umgang mit Störungen.
Die Voraussetzungen und Vor-Bereitungen.
Der "liturgische Rahmen".
Der Abschluß der Gebetszeit.
Die "Unterscheidung der Geister".
Geistliche Begleitung.

Einführung in die Thematik "Kreuz als Erlösung".

Einführung in den Aufbau des Kurses.

Möglichkeiten eines Weges durch das Passah-Geheimnis.


Einführung in den Briefkurs.

Der geistliche Hunger, der Wunsch danach, einmal zu sich selbst zu kommen und wieder einmal Zeit für das innere Leben zu haben, erwacht bei immer mehr Menschen. Das neuerwachte Interesse an der Mystik, die spontan angewachsene New-age-Bewegung sprechen in ihrer eigenen Sprache davon. Wieviel Esoterik-Literatur wird gekauft, gelesen und als Lebensmodell ausprobiert! Gerade unter vielen jungen Menschen ist ein tiefes Fragen aufgebrochen.
Was haben wir als Christen in dieser Situation einzubringen? Wenn wir uns auf unsere ureigenen christlichen Wurzeln besinnen, wird eines deutlich: Auch im Christentum existiert - um diese Vokabeln einmal zu gebrauchen - neben der "exoterischen" Botschaft, der Botschaft, die uns "von außen" trifft, die "esoterische" Linie - die Wirklichkeit, die innerlich in uns wächst. Gerade von Christen, die es mit der Nachfolge Jesu Christi besonders ernst meinten, wurden diese beiden Linien früher nie als ein unüberbrückbarer Gegensatz empfunden, wie es heute so oft dargestellt wird.

Das ist nun auch unser Anliegen, wenn wir uns auf solch einen Übungsweg einlassen, wie ihn auch dieser Kurs anbietet: Die uns "von außen" begegnende und schon bekannte Botschaft des Evangeliums soll nicht nur unseren Kopf ansprechen, sondern sie soll uns in der Tiefe, "innen", das heißt "im Herzen" berühren und dort ihre Resononanz finden. Nur so kann geistliches Leben zu einer persönlichen Begegnung des Menschen mit unserem Gott werden.

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Der geistliche Weg.
Spirituelles, geistliches Leben ist ein Weg mit einer ihm eigenen Dynamik. Jeder, der einigermaßen regelmäßig betet, am Gottesdienst teilnimmt und die Bibel nicht nur im Schrank stehen hat, hat teil an dieser Dynamik. Sie spielt sich im Verborgenen ab und tritt nur manchmal ins Bewußtsein. Wer zu einer Retraite oder zu einem Exerzitienkurs fährt, hat die Absicht, in diesen Tagen einmal wieder zu sich zu kommen, sein Leben neu im Angesicht Gottes zu überdenken und auszurichten. So wurde es mir gestern von jemandem gesagt, der Sehnsucht nach solchen Tagen hat. Das bedeutet in unserem Zusammenhang: Während einer solchen Zeit kann die innere Dynamik des geistlichen Weges wieder neu ins Bewußtsein treten, die verblassenden Linien können nachgezogen werden.

Daß das nicht nur während eines geschlossenen Exerzitien-/Retraitenkurses der Fall sein kann, sondern auch während solch einer Übungsstrecke zu Hause, das haben in letzter Zeit verschiedenartige Versuche mit solchen Briefkursen deutlich gezeigt. Gerade mitten im Alltag mit seinen Freuden und Belastungen kann sich der rote Faden eines geistlichen Vorankommens zeigen, der dem Leben neue Triebkraft und neuen inneren Sinn gibt.

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Die Motivation.
Allerdings setzt die besondere Wegstrecke eines solchen Briefkurses bei dem einzelnen Teilnehmer eine gute innere Motivation voraus. Wie auch bei Meditationskursen hängt auch bei solch einem Briefkurs alles davon ab, daß jede/r Teilnehmer/in sich selbst auf diesen Weg des Meditierens einläßt, - auf diesen wichtigen, manchmal schmerzhaften, meistens aber tief beglückenden Prozeß. Dazu gehört nicht nur die regelmäßige, tägliche eigene Gebetszeit, sondern ebenso wichtig ist der Austausch untereinander, sind die Rückmeldungen, die das Geschehene am Ende einer jeden Woche noch einmal reflektieren und damit vertiefen und "nachzeichnen", damit es das Leben wirklich von innen her prägen kann. Was ich niederschreibe oder vor einem Menschen ausspreche, gewinnt damit eine neue Qualität der Wirklichkeit.
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Der gegenseitige Austausch.
Im Anhang dieses Büchleins finden Sie eine Auswahl der Rückäußerungen, die ich von den Teilnehmer/innen des Briefkurses bekam - mit der Erlaubnis, sie zu verwenden. Nun sind diese Auswertungen keineswegs so zu verstehen, wie bei einer Illustrierten die Lösung des Kreuzworträtsels auf der letzten Seite steht. Nichts, was ein anderer beim Meditieren erkannt hat, kann das ersetzen, was sie selbst finden. Aber alles, was aus echter Meditation erwachsen ist, kann auch einen anderen wieder in die Meditation hineinziehen - es kann die Quelle der eigenen Mediation öffnen. Nicht das, was der andere gefunden und entdeckt hat, sondern was aus Ihnen selbst aufsteigt, was Ihnen "einfällt", ist genau das, was Sie brauchen und was Ihnen den nächsten Schritt auf Ihrem Weg zeigen kann. Aber wenn Sie dann nach Ihrer eigenen Meditation etwas davon erfahren, was einem anderen zu dem gleichen Thema eingefallen ist, kann das Ihre eigenen Meditationen erweitern und aus der Enge der Subjektivität herausführen. Sie können dabei erleben, wie das gleiche Thema zu einer weiten Palette von Möglichkeiten der inhaltlichen Füllung führt. In solcher gegenseitigen "Mit"-"teilung" erleben wir vielleicht etwas von der Fülle des Leibes Christi, in dem jedes Glied seine ganz eigene Erkenntnis hat - um sie den anderen zu schenken.
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Der Umgang mit Störungen.
Was aber, wenn während der Gebetszeit Störungen kommen? Mein früherer Meditationslehrer sagte gern, daß es einen speziellen "Meditationsteufel" gibt, dem viel daran liegt, unsere Meditationszeit zu stören. Geben Sie ihm nicht die Macht über sich, daß Sie auf seine Fallen eingehen! Gegenüber äußeren Störungen ist es am besten, wenn Sie sich eine feste, möglichst störungsfreie Zeit - entweder frühmorgens oder abends - wählen. Denn nicht jeder hat so viel Mut wie ein Teilnehmer eines früheren Kurses, der sein Vorhaben so klar allen gegenüber ausgesprochen hat, daß selbst der Briefträger sagte: "Den dürfen wir jetzt nicht stören, der meditiert jetzt!" Wenn aber dennoch eine Störung kommt, dann ärgern Sie sich nicht darüber (bitte auch nicht darüber ärgern, daß Sie sich ärgern!) sondern nehmen Sie die Unterbrechung als eine Übung der inneren Gelassenheit in Kauf. Wichtig ist, daß Sie danach wieder einsteigen, wo Sie abgebrochen haben, selbst wenn sich mal eine außergewöhnliche Störung über mehrere Tage hin erstrecken sollte.

Viel schwerer ist es, richtig mit den inneren Störungen umzugehen. Da fällt mir zum Beispiel immer gerade zu Beginn meines Morgengebetes ein, was ich eigentlich unbedingt vorher schnell noch erledigen und noch tun müßte! Für mich hat es sich immer als hilfreich erwiesen, meinen Kalender während des Betens neben mich zu legen, und dort zu notieren, was alles getan sein möchte. Steht es dort, kann es warten, und ich kann mich getrost wieder dem Gebet widmen - und nach der Gebetszeit neu gestärkt an meine Aufgaben gehen.

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Die Voraussetzungen und Vor-Bereitungen.
So bitte ich Sie als erstes darum, sich einen festen "Raum" zu schaffen, der zu Ihrem Gebetsraum werden kann. Das braucht durchaus nicht ein eigenes Zimmer zu sein -schon der gleiche Stuhl, die gleiche Ecke im Zimmer nehmen etwas von dem Fluidum des Gebetes in sich auf - und können dann wieder zum Beten helfen. Mein Lehrer Helmut Geiger sprach davon, daß solch ein Stuhl "einmeditiert" sein könne. Eine brennende Kerze und ein gutes Bild machen mir in meiner persönlichen Weise bewußt, daß ich mich jetzt in diesem "Raum" befinde, der Gott und mir allein gehört. Jeder kann da seine eigene Phantasie walten lassen, was sich für ihn besonders gut eignet.

So einen äußeren Raum des Betens zu schaffen, ist besonders wichtig, wenn ich mich auf solch einen Weg im Rahmen eines Briefkurses einlasse. Er schenkt mir den Freiraum, der den inneren Prozeß ermöglicht, der durch das regelmäßige Beten in Gang kommen soll. Diese Voraussetzung ist die Grundlage für jede Thematik - sie bildet das Fundament, auf welches das Haus gebaut werden muß, damit es nicht - "auf Sand gebaut" - beim ersten Sturm einstürzt, wie es uns Jesus so anschaulich im Gleichnis vor Augen malt (Mt 7,24-27).

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Der "liturgische Rahmen".
Ehe ich mit dem Beten beginne, halte ich ein wenig inne und mache mir bewußt, wer ich bin und was ich jetzt tun will: Ich mache mir bewußt, Wenn wir einen Schritt weiter von dem wichtigen "Außen" zu dem noch viel wichtigeren "Innen" gehen, dann empfielt es sich, die Gebetszeit in eine Art "liturgischem Rahmen" hineinzustellen, in eine feste Form, die den "Raum des Betens umschließt.

Ehe ich mit dem Beten beginne, halte ich ein wenig inne und mache mir bewußt, wer ich bin und was ich jetzt tun will: Ich spüre in mich hinein, wie ich mich in diesem Augenblick fühle, was ich - aus der Nacht oder aus dem vergangenen Tag - gerade heute mit in mein Gebet einbringe. Ich versuche zu spüren, wie ich heute und jetzt vor Gott da bin...

Und dann mache ich mir in einem weiteren Schritt bewußt: Ich darf jetzt beten, ich darf in einen Raum eintreten, in dem mich der heilige Gott selbst in Liebe erwartet, um sich mir zu schenken. In einem kleinen Gebetbüchlein, durch das ich selbst zum "inneren Gebet" gefunden habe, wird folgende Möglichkeit vorgeschlagen:

"Du beginnst nicht sogleich mit dem Beten, sondern überlegst dir einmal, was du jetzt tun willst... Mach dir das klar; zum Beispiel so:...

Gott ist in mir. In meiner Seele gibt es die Oberfläche und die Tiefe. Von außen geht es hinein, immer tiefer und innerlicher wird es, und im Innersten ist der wirkende, lebendige, heilige Gott. Dort, wo mein wahres Ich ist, dort lebt und leuchtet Er. Dort berührt er mich, wirkt, führt mich und gibt meiner Seele das heilige Leben des Gebetes, auch jetzt, in diesem Augenblick..."

Eine andere Möglichkeit, sich auf die Gebetszeit einzustellen, könnte etwa so aussehen:

  • - Es geht bei Beten nicht darum, über Gott nachzudenken, sondern die Liebe Gottes zu berühren.
  • - Es geht beim Beten nicht darum, Gott "außen" zu suchen, sondern "innen" in mir sein Spiegelbild zu berühren.
  • - Es geht beim Beten nicht darum, Gott in der Vergangenheit oder in der Zukunft anzusiedeln, sondern wahrzunehmen, daß mir Gott nie näher war oder sein wird, als er mir jetzt, in diesem Augenblick meines Betens ist.
  • Vielleicht wächst aus diesen Vor-Bereitungen in den ersten Tagen ein kleines, selbstgeformtes Gebet, welches meine Hauptanliegen zusammenfaßt. Mit diesem kann ich während des Übungskurses jede Gebetszeit beginnen. Ein selbstgeformtes Gebet ist besser als ein vorgegebens, weil ich da meine ureigenen Wünsche und Sehnsüchte einbringen kann.
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    Der Abschluß der Gebetszeit.
    Auch der richtige Abschluß einer jeden Gebetszeit ist wichtig: Es hat sich bewährt, noch einmal auf die Zeit zurückzuschauen und bewußt wahrzunehmen, wie es mir heute ergangen ist. Nicht beurteilen, sondern einfach wahrnehmen: So war es heute. Etwa: "Das war gut", oder: "damit kam ich nicht zurecht". Ganz wichtig sind auch die Gefühle, die während des Betens aufkommen, und auf die ich mir noch einmal in Erinnerung rufe...

    Diese Rückbesinnung kann auf verschiedene Weise erfolgen: Mancher schreibt sich kurz auf, was ihm einfällt - ein anderer möchte lieber malen und es in Farbe bringen - wieder ein anderer macht vielleicht ein Tanz-Spiel daraus, wenn er allein zu Hause ist. Alles das kann helfen, daß uns die Botschaft durchdringt und von innen her zu prägen beginnt. Dazu suche sich jeder die Form, die ihm am meisten hilft, sich das im Gebet Erfahrene ein Stück mehr "an"-"zu"-"eignen".

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    Die "Unterscheidung der Geister".
    Gefühle, die sich während der Gebetszeit einstellen und die wir bewußt wahrnehmen, können uns wichtige Hinweise geben auf die positiven oder negativen Kräfte, denen wir beim Beten begegnen mögen. Die wichtige Kunst der "Unterscheidung der Geister", seit alters in der Christenheit geübt, orientiert sich entscheidend an plötzlich aufkommenden ("einschießenden") oder auch länger anhaltenden Gefühlen und Gedanken. Es ist ja nicht einfach so, daß alle angenehmen und wohlschmeckenden Gefühle auf die Wirkung des "guten Geistes", - wie die Tradition sagt - hinweisen und alle schmerzhaften Gefühle auf die dunklen Gewalten, die uns "durcheinanderbringen" wollen. Ignatius von Loyola stellt als einfache Regel auf: Bei allem, was uns zu mehr Glauben, zu mehr Hoffnung und zu mehr Liebe anregt, darf ich den "guten Geist" vermuten, bei allem, was diese Kräfte schwächt, muß ich sehr wachsam sein, wer oder was da die Hand mit im Spiele hat!

    Es wird uns Menschen des 20. Jahrhunderts wohl immer deutlicher, daß es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als ein Computer erfassen kann. Ich bin überzeugt: Wir hätten wohl keines unserer fünf Kinder groß bekommen, wenn sie nicht ihren Schutzengel gehabt hätten! Das ist nicht nur eine scherzhafte Bemerkung, sondern meine feste Überzeugung. Wo aber Engel auf dem Plan sind, dort ist es auch der Widersacher Gottes.

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    Geistliche Begleitung.
    Gerade im Blick auf diese Fragen zur Unterscheidung der Geister kann geistliche Begleitung recht hilfreich sein. Im Aussprechen und im wachen Zuhören klärt sich manches, was vorher verworren war. Außerdem ist schon die frühe Kirche überzeugt, daß die dunklen Gewalten bereits dadurch einen großen Teil ihrer Macht einbüßen, wenn sie erleben, daß der Mensch ihre Taktiken nicht verbirgt, sondern offen darüber spricht. Deshalb ist es wichtig, daß auch der Begleiter von solchen Gefühlen und Emotionen erfährt. Für Sie wäre es gut, wenn Sie für die Zeit dieses geistlichen Weges einen Menschen hätten, dem Sie sich anvertrauen und mit dem Sie sich geistlich austauschen könnten.
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    Einführung in die Thematik "Kreuz als Erlösung".

    Kreuz als Erlösung heißt der Inhalt unseres Briefkurses. Mit diesem Thema berühren wir das Zentrum unseres christlichen Glaubens. Die Frage: Wie kann mich heute ein Geschehen erlösen, das sich in fernen Gegenden und in fernen Zeiten abgespielt hat, beschäftigt wohl früher oder später die meisten von denen, die es mit ihrem christlichen Glauben ernst meinen. Manchmal geschieht es ja auch, daß verborgene Fragen erst dann ans Licht kommen dürfen, wenn sich die Möglichkeit einer Antwort abzeichnet!
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