Elfte Übungsgruppe
Personenkreis der Fürbitte - Weltdienst des Christen

Ein Mann - seit 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten - äußerte in einem vertrauten Gespräch: "Wenn ich einmal einen Abend vergessen habe, für die Menschen zu beten, die zu mir gehören, dann sage ich mir am folgenden Morgen: ‘Du bist ein Hundsfott!’" - So stark kann das Wissen um die Wichtigkeit der Fürbitte selbst dort sein, wo alle anderen kirchlichen Bindungen abgebrochen wurden!

Wir wollen dieses wichtige Gebiet in drei Abschnitten behandeln:

  • Wer erwartet mein Gebet? (Personenkreis)
  • Worum darf ich bitten? (Inhalt)
  • Wie kann ich Fürbitte tun? (Möglichkeiten)

  • 1. Übung

    Heute geht es um unser erstes Anliegen: Wer erwartet mein Gebet? Wer braucht mein Gebet? Welche Menschen hat mir Gott zur Fürbitte anvertraut (auch wenn sie es selbst gar nicht wissen oder wollen)? Wir schreiben auf, was uns dazu einfällt ...

    Wir beginnen dann mit einer Metaphermeditation:

    Fürbitte ist für mich wie ...

    (ca. 4 Minuten Stille ...)

     Aus den gefundenen Bildern wurde ganz anschaulich: Wie wichtig ist unsere Fürbitte für die Menschen, für die wir sie tun!

    Man sollte aber auch das andere in den Blick bekommen: Dienst der Fürbitte ist wichtig vor Gott!

    Auswertung:

    Wir versuchen, die verschiedenen Menschen, die uns eingefallen sind, in eine gewissen Ordnung zu bringen:

    Menschen der verschiedenen Lebenskreise, in denen ich stehe, erwarten meine Fürbitte (meine "Nächsten"):

  • zu Hause ...
  • am Arbeitsplatz ...
  • in der Hausgemeinschaft ...
  • unterwegs (Straßenbahn, Eisenbahn) ... usw.
  • Menschen, die in besonderer Beziehung zu mir stehen, erwarten meine Fürbitte:- Menschen, die mir Gutes tun ...

    Menschen in besonderen Lebenslagen erwarten meine Fürbitte:- Menschen, deren Not ich miterlebe ...

  • Menschen, die vor besonderen Aufgaben stehen ...
  • Menschen, die besondere Entscheidungen zu treffen haben...
  • Menschen, denen Verantwortung auferlegt ist...
  • Menschen, die im Sterben liegen ... usw.
  • Ich schreibe mir zu diesen Punkten die Namen der Menschen auf, die mir einfallen ...

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    2. Übung

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    3. Übung

    Ich meditiere einen Menschen meiner nächsten Umgebung, für den ich lange nicht mehr (vielleicht noch nie!) gebetet habe: Ich schaue ihn an - ruhig - still - ohne Ungeduld - ohne Abwehr - ich halte ihn einfach Gott hin, wie ein kleines Kind sein Spielzeug dem Besuch ohne Worte hinhält - dann bitte ich Gott ganz einfach:

    Schau auf N.N. ...

    Ergebnis:

  • 1. Schon früher hatten wir erfahren, daß beim Meditieren eines Menschen, den ich liebhabe, diese Liebe wachsen kann. Wenn wir hier noch einmal eine ähnliche Übung gemacht haben, dann konnte sich diese Erfahrung vertiefen: Durch solche Meditation beginnt ein neues Verstehen des anderen, ich schaue ihn u. U. in einer ganz neuen Weise, vielleicht manchmal ein ganz klein wenig so, wie Gott ihn sieht ...

  • 2. Daneben kann es geschehen, daß mir bei solch einer Meditation der meditierte Mensch „symbolisch" wird - in seinen Nöten, seinen Freuden, seinen Wünschen und Sehnsüchten,in seinen Aufgaben und Entscheidungen verkörpert er mir „hautnah" diese Anliegen, wie sie überall dort vorliegen, wo Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten Entsprechendes erleben oder erfahren.

  • 4. Übung
  • Ich schaue noch einmal den Menschen an, den ich in der letzten Übung meditiert habe, und lasse ihn gleichsam transparent werden in seinen Nöten, Freuden, Wünschen, Sehnsüchten, Aufgaben, und Entscheidungen ..., ich sehe ihn als Symbol für alle anderen Menschen, die er vertritt, und bete für sie alle ...
  • Ergebnis:

    Vielleicht ergeben sich aus diesen beiden Übungen einige Antworten auf die oben gestellten Fragen. Meditative Fürbitte beginnt dort, wo wir meistens mit unserer Fürbitte aufhören. Meditative Fürbitte nimmt Grundanliegen des Meditierens auf und macht sie ihren Zwecken dienstbar:

    1. „Es kommt nicht auf die Fülle an, sondern auf die Tiefe." - „Weniger ist beim Meditieren mehr als vieles." Es ist besser, sich in der Fürbitte für einen oder wenige Menschen wirklich Zeit zu nehmen, als recht viele Namen und Anliegen aneinanderzureihen, um niemanden zu vergessen. Eine objektive Vollständigkeit der Fürbittanliegen werden wir trotz aller Mühe niemals erreichen, also sollten wir diesen vergeblichen Ehrgeiz aufgeben und lieber die Vollständigkeit durch besondere Intensität ersetzen...

  • 2. Meditation ist der Weg von außen nach innen, von„oben" nach „unten" - vom „Nahen" zum „Fernen". Weil menschliche Liebe und Nähe der Fürbitte eine besondere Dringlichkeit verleihen, der Erhörung versprochen ist (Gleichnis von der bittenden Witwe), deshalb ist es richtig und sinnvoll, beim „Nächsten" mit der Fürbitte einzusetzen ...

  • 3. „Jedes Ding kann man doppelt betrachten - als Faktum und als Geheimnis"(H.U.v.Balthasar), so kann mir jeder Mensch in seinem Geheimnis einen Sektor der Menschheitsanliegen symbolisieren  - entsprechende Erlebnisse, Freuden und Leiden schaffen eine verborgene, aber wahre Verbindung unter den Menschen. Deshalb kann ich in einem Menschen den vielen begegnen, über den einen die Unzähligen erreichen, die er vertritt. So kann meine Fürbitte durch das „Medium" dieses Menschen, der mir nahe ist (räumlich, oder der auch meinem Herzen nahesteht), hineinfließen in die Menschheit ...
  • 4. „Meditieren bedeutet: den Raum öffnen, in dem man empfangen kann." Meine „Nächsten" wähle ich mir in der Regel nicht aus, sie werden mir von Gott „gegeben", geschenkt oder zugewiesen. Durch diese Menschen, die mir Gott gleichsam als Aufgabe vor die Füße legt, empfange ich die „Themen" meiner Fürbitte - unaustauschbar -, denn jeder Mensch hat einen anderen Kreis von „Nächsten" um sich mit ihren je eigenen Anliegen.

    Ich fasse zusammen: Durch die persönliche Liebe und Nähe, die mich mit den Menschen verbindet, die mir nahe sind, gewinnt mein Gebet Wärme, Tapferkeit, Ausdauer und innere Glut. Solchem Gebet ist Erhörung verheißen. Und durch diese Nächsten erreicht mein Gebet die ungezählte Schar derFernen, die mir in diesem Nächsten begegnen.

    Zum Schluß darf ich noch einige praktische Hinweise geben, die sich bewährt haben.

  • 1. Auch der Kreis der „Nächsten" ist u. U. so groß, daß ich nicht alle gleichzeitig im Blick behalten kann. Da ist es gut, sich eine Ordnung aufzustellen, die sich über die sechs Wochentage verteilt. An jedem Tag der Woche begegnet mir ein bestimmter Kreis von Menschen, aus dem ich mir einen oder auch einige zu solch meditativ intensiver Fürbitte zeigen lasse.

  • 2. Dann kann ich die Menschen des Lebenskreises, für die ich heute beten will, wie bei unserer heutigen ersten Übung nacheinander innerlich anschauen („wie eine Dia-Serie") - offen und bereit, mir denjenigen zeigen zu lassen, der heute meine Fürbitte besonders braucht. Die anderen aber sind vor Gott mit eingeschlossen...

  • 3. Wenn man diese Form der Fürbitte über einen längeren Zeitraum hin übt, dann kann nach einiger Zeit etwas Seltsames geschehen. In einem Meditationskurs wurde der Hinweis gegeben: Man sollte immer den gleichen Stuhl zum Meditieren benutzen; wenn er „einmeditiert" ist, hilft er zum Meditieren! Ähnliches kann hier geschehen: Wenn ich eine Zeitlang z. B. freitags für alle Notleidenden meines Lebensraumes oder sonnabends für alle Menschen im Dienst der Kirche, die ich kenne, gebetet habe, dann bekommen diese Wochentage mit der Zeit eine ganz besondere Prägung von diesem Gebetsanliegen her und tragen das Gebet mit ...

    4. Es hat sich bewährt, den Sonntag freizulassen - er gehört Gott unmittelbar -, und je intensiver man dieses Fürbittgebet tut, desto nötiger braucht es auch einen Raum des zweckfreien Ausschwingens ...

    5. Wo mir eine besonders dringende Not begegnet, hat dieser Mensch vor allen anderen einen Anspruch auf meine tägliche Fürbitte. Diese kann über Wochen oder auch Monate hin ganz im Mittelpunkt stehen, daneben geht jedoch die übrige Fürbitte in ihrer gewohnten Ordnung weiter.Nach einiger Zeit kann dann die Ordnung auch diesen Menschen „auffangen" - vielleicht ist ein anderer inzwischen an seiner Stelle getreten.

  • Ein Schlußwort für unsere Kranken:

    Bitte verzeihen Sie den langen Anlaufweg. Jetzt sind wir an der Stelle angelangt, die ich Ihnen zu Beginn unseres Kurses versprach: Hier sind die Aufgaben, die von Ihnen besser gelöst werden können als von uns anderen, die wir so wenig Zeit haben - aber Aufgaben, die viel wichtiger sind als vieles, was wir Gesunden Tag für Tag tun! Sicher haben Sie vieles davon schon treu und regelmäßig getan. Gerade dann können Ihnen diese Hinweise vielleicht besonders gut helfen und Sie selbst anregen, immer besser Ihren eigenen Weg des Fürbittdienstes zu finden.


    Material zum Meditieren der Fürbitte:

    Ein Mensch, der Fürbitte tut, ist wie

  • ein Ofen, der ausstrahlt ...
  • jemand, der einen Mantel um einen anderen hüllt ...
  • jemand, der einen Menschen mit einer warmen Hülle umgibt, daß ihm nichts weh tun kann ...
  • Menschen, für die gebetet wird, sind wie

    Fürbitte ist wie...


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