Dreizehnte Übungsgruppe

Inhalt der Fürbitte - ausgehend vom biblischen Text


Immer begegne ich einem anderen Menschen auf der Ebene, auf der ich mich selbst befinde. Das machten wir uns bereits zu Beginn dieses Kurses deutlich (Übungsgruppe 01). Das gilt auch für die "Begegnung" mit einem anderen Menschen in der Fürbitte. Deshalb ist es kein "Umweg", sondern wichtige Voraussetzung engagierter Fürbitte, wenn ich mich immer neu darum mühe, selbst in größere Stille und Tiefe zu kommen.
Für manchen kann gute Musik eine echte Hilfe für den Zugang zur Meditationsstille sein. Wer das von sich weiß, - ich denke da auch besonders an die Kranken - kann sich mit guter Musik in die Meditation "einstimmen" - vielleicht stellen sich dabei innere Bilder ein, die man anschauen - und dann wieder loslassen kann.

Wir wollen heute mit einer anderen Übung beginnen, die tief in die Stille führen kann:


1. Übung zum Eingang der Meditation

  • Ich bin ganz da ... ich spüre mein Dasein ... hier an dieser Stelle des Weltraumes befinde ich mich ... ich fühle den Raum des Zimmers um mich ... ich fühle den Kontakt meines Körpers mit dem Boden (dem Stuhl, dem Bett) ... ich bin ganz locker, alles, was verspannt ist, löst sich (Stirn, Unterkiefer, Nacken, Schultern, Arme)...

  • Ich lasse die Gedanken und Bilder kommen, die kommen wollen ... und lege sie etwa einen Meter von mir ab ... jedes Bild, das kommt, schaue ich an und lege es weg ... nicht beurteilen - kommen lassen - ablegen ...

  • Ich stelle mir eine kleine Kugel vor - etwa 10 bis 30 Zentimeter vor meiner Stirn - ich konzentriere mich darauf ... und lasse los ... in mir ist tiefe Stille ... ich lasse mich in diese Stille hineinsinken ...
  • (ca. 8 Minuten Stille ...)


    2. Übung

    Wir lassen Worte des 95. Psalmes tief in uns einsinken - lassen die Bilder kommen, schauen sie ruhig an - und lassen sie wieder los, um frei zu sein für das nächste Bild:

    "Der Herr ist ein großer Gott
    und ein großer König über alle Götter ...
    In seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
    und die Höhen der Berge sind auch sein ...
    Sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,
    und seine Hände haben das Trockene bereitet ...
    Kommt, laßt uns anbeten und knien
    und niederfallen vor dem Herrn,
    der uns gemacht hat ...
    Denn er ist unser Gott,und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand ..."

    Dieser Text ist gefüllt mit Bildern, die man als Symbole durchscheinend machen kann für das menschliche Leben. Wir suchen die Symbole heraus und notieren sie ...

    Wir warten, welche "Weisheiten" (vgl. Übungsgruppe 05) dieser Text uns vermittelt und notieren sie ...
     


    Hinführung zur nächsten Übung:

    Das Wort Gottes in seinen Symbolen und in seinen Wahrheiten gleicht einem Scheinwerfer, unter dessen Licht ich mein Leben neu erkenne. Das haben wir in den früheren Übungen erfahren. Diesen Scheinwerfer kann ich aber nun auch auf den Menschen neben mir richten, ich kann ihn im Lichte dieses Scheinwerfers meditieren und diese Meditation zur Fürbitte werden lassen.

    3. Übung

    Ich meditiere einen Menschen, der mir heute zur Fürbitte anvertraut ist (vgl. Übungsgruppe 11), oder einen Menschen meiner nächsten Umgebung unter der Beleuchtung dieser Symbole oder Wahrheiten ...

    Der Gang dieser Meditation könnte folgender sein:

  • 1. Schritt: Ich schaue die "Tiefen" im Leben dieses Menschen ... (andere Symbole einsetzen: seinen "König"; seine "Höhen"; sein "Meer"; seine "Trockenheiten"; seine "Weide" usw.)


  • Ich beziehe die Wahrheiten, die mir der Text enthüllt hat, auf diesen Menschen...

  • 2. Schritt: Ich schaue auf Jesus - wie hast Du Dich in entsprechenden Situationen verhalten, wie hast Du Dich zu ihnen geäußert? ...


  • 3. Schritt: Ich bitte um das, was diesen Menschen Jesus ähnlich macht... 


  • (Stille, solange die innere Kraft zur Meditation reicht, dem nachgehen, was sich nahelegt, keine "Vollständigkeit" erreichen wollen! ...I

    Ergebnis:

    Solche "wortgebundene Fürbitte" unterscheidet sich von Fürbitte, die sich von der Person her gestaltet, nur durch den ersten Schritt. Sie rückt jedoch diese Fürbitte aus meinem persönlichen Ermessen in einen mehr objektiven Raum:
    "Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebühret" (Röm 8,26).
    Das bewährt sich gerade dort, wo ich nicht durch eine besondere Not zur Fürbitte gedrängt werde, sondern wo ich über eine längere Zeit hin einen Menschen mit meiner Fürbitte zu tragen habe.

    Der 95. Psalm ist seit alten Zeiten Bestandteil des kirchlichen Stundengebetes. Meditative Durchleuchtung bewahrt solch ein häufig gesprochenes Gebet vor Abnutzung oder formalen "Geplapper". Die neuen Erlebnisse und Erwartungen eines jeden Tages füllen das Gefäß dieses Gebets täglich neu: Heute sind es andere "Tiefen" und "Höhen", "Meere" und "Trockenheiten", die ich in diesem Gebet unter die absolute Herrschaft Gottes stelle, heute brauche und erfahre ich die Führung des Hirten anders als gestern, als vor einer Woche, anders als morgen oder übermorgen! Dasselbe gilt ebenso für die Möglichkeiten, die solch ein Text als Fürbittgebet anbietet.

    Alles, was ich für mich meditiere, was ich in die Tiefe meines Wesens einlasse, gibt mir die Möglichkeit, auf dieser Ebene dem Mitmenschen zu begegnen, im Gebet für ihn wie im Gespräch mit ihm. So kann Meditieren helfen, aus Isolierung und Vereinsamung herauszukommen.

    Jeder sollte hier selbst seine eigenen Erfahrungen sammeln, in dem er

    Daß sich nicht nur Verse dieses Psalms, sondern viele biblische Texte (ich wage zu sagen: alle biblischen Texte!) in ähnlicher Weise für die Fürbitte fruchtbar machen lassen, kann jeder selbst ausprobieren: Bitte nehmen Sie Ihre selbstgefundenen Ergebnisse der fünften Übungsgruppe- die "Wahrheiten", die Sie aus der Meditation über Ex 14, Mt 14 und Lk 24 gefunden haben - und lassen Sie sie zum Ausgangspunkt der Fürbitte für einen bestimmten Menschen werden in der Weise, wie wir es heute getan haben.


    Übungsmaterial zu Psalm 95

    1. "Der Herr ist ein großer König über alle Götter"

  • Wer Gottes Eigentum ist, lebt im Königreich des größten aller Herren ...
  • Wer dem größten Herrn dient, bekommt Anteil an dessen Herrlichkeit ...
  • Gott schenkt mir Schutz vor Feinden von außen und innen ...
  • 2. "In seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
    und die Höhen der Berge sind auch sein.
    Sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,
    und seine Hände haben das Trockene bereitet"

  • In jedem Leben gibt es Tiefen und Höhen ...
  • In jedem Leben gibt es Zeiten der Fülle und Zeiten der Dürre ...
  • Jede Situation meines Lebens ist in Gottes Hand! ...
  • In jeder Lage Gott suchen! ...
  • Die Heimat des Menschen ist nicht das Meer, sondern das trockene Land ...
  • 3. "Denn er ist unser Gott, und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand."

  • Geborgenheit! Ich bin vom Hirten geführt! ...
  • Nichts treibt sinnlos dahin - einer führt! ...

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